Gedichte Reden


Gedichte - Reden

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema: Reden für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

 

Ich fürchte mich so vor der
Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich
aus:
Und dieses heißt Hund und
jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das
Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn,
ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und
war;
kein Berg ist ihnen mehr
wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade
an Gott.

Ich will immer warnen und
wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so
gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr
und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

Es gibt da eine Kleinigkeit
die macht mich zum Kampf bereit
zu jeder Zeit an jedem Ort
zieh ich sie sofort
ich ziele auf die Konkurrenz
die ich dann in den Boden stenz
und so richtig fertig mach
ja meine Wörter machen Krach
Rauchwolken in meiner Lunge
zum Sieg von mir und meiner Zunge

Unbekannt

 

 


Herr, hilf mir zur rechten Zeit zu reden.
Du gabst uns die Sprache als Brücke zum Nächsten,
als Mittel und Werkzeug, das Gute zu tun.
 
Bewahre mich vor Streit und leerem Geschwätz.
Ich will nicht verletzen und kritisieren
und niemand schädigen durch mein Wort.
 
Laß mein Reden voll Inhalt und Kraft sein.
Wenn ich auch nicht immer Weisheit verkünde,
so kann es doch ein gütiges Wort sein,
mit dem ich Trost und Freude vermittle.
 
Laß meine Worte wie Taten sein,
verläßlich und wahr, wohltuend und gut,
getragen von Liebe und Geduld.
Wer mit mir spricht, soll bereichert sein,
weil er Zugang zu meinem Herzen hat.
 
Herr, gib mir die Kraft,
alles Störende auszuschalten
und alle positiven Kräfte zu sammeln,
daß ich aus meinem Leben
das Beste machen kann.
Du willst mir Leben in Fülle geben.
Ich vertraue dir, daß du mich heilen kannst.
Ich glaube, daß du mich stark machen kannst
für deine Liebe.

Unbekannt

 

 

 

Spuren hinterlassen

Wo immer wir auch gehen,
ein Teil von uns bleibt dort,
die Spuren unsrer Schritte,
sie gehen nicht mehr fort.

Ein Lächeln bleibt zurück,
ein Herz das freudig schlägt,
die Wärme unsrer Stimme,
die durch die Kälte trägt.

Berührung unsrer Hand,
die noch zu fühlen ist,
und daß durch uns ein Mensch
das Weinen kurz vergißt.

Ein liebes Wort klingt nach,
durch Schmerz und Dunkelheit,
und unsre Spur vertreibt
die schlimme Einsamkeit.

Wo immer wir auch gehen,
bleibt eine Spur zurück,
und hinterläßt ein Strahlen
von unsrem eignen Glück.

Unbekannt

 

 

Es war einmal ein Papagei,
der war beim Schöpfungsakt dabei
und lernte gleich am rechten Ort
des ersten Menschen erstes Wort.

Des Menschen erstes Wort war A
und hieß fast alles, was er sah,
z.B. Fisch, z.B. Brod,
z.B. Leben oder Tod.

Erst nach Jahrhunderten voll Schnee
erfand der Mensch zum A das B
und dann das L und dann das Q
und schließlich noch das Z dazu.

Gedachter Papagei indem
ward älter als Methusalem
bewahrend treu in Brust und Schnabel
die erste menschliche Vokabel.

Zum Schlusse starb auch er am Zips.
Doch heut noch steht sein Bild in Gips,
geschmückt mit einem großen A,
im Staatsschatz zu Ekbatana.

Christian Morgenstern

 

 

 

 

Vom Reden

Und dann sagte ein Gelehrter:
"Sprich vom Reden"

Und er antwortete und sagte:
"Ihr redet dann, wenn ihr aufhört,
mit euren Gedanken in Einklang zu sein."

Und wenn ihr nicht länger in der
Abgeschiedenheit eures Herzens wohnen
könnt, lebt ihr in euren Lippen,
und Geräusch ist eine Zerstreuung und
ein Zeitvertreib.

Und in einem Großteil eures Redens wird
das Denken halb ermordet.

Denn das Denken ist ein Vogel des Himmels,
der in einem Käfig aus Worten zwar
vielleicht seine Flügel ausbreiten
kann, nicht aber zu fliegen vermag.

Es gibt manche unter euch, die aus
Furcht vor dem Alleinsein die Gesellschaft
des Geschwätzigen suchen.

Die Stille der Einsamkeit läßt ihr
nacktes Selbst aufscheinen, und sie
möchten entfliehen.

Und es gibt jene, die reden und ohne
Wissen und Absicht eine Wahrheit
aussprechen, die sie selbst nicht
verstehen.

Und es gibt jene, die die Wahrheit
in sich tragen, aber diese nicht
in Worte fassen.

Im Herzen dieser Menschen wohnt der
Geist in wogendem Schweigen.

Begegnet ihr eurem Freund auf der Straße
oder auf dem Marktplatz, laßt den Geist
in euch eure Lippen bewegen und eurer
Zunge befehlen.

Laßt die Stime in eurer Stimme zum
Ohr seines Ohrs sprechen;

Denn seine Seele wird die Wahrheit
eures Herzens bewahren, so wie der
Geschmack des Wein's noch im Gedächtnis
verbleibt.

Wenn die Farbe vergessen ist – und das
Gefäß zerbrochen.

Khalil Gibran

 

 

 

 

Wie weit soll das noch gehn!
Du fallst gar oft ins Abstruse,
Wir können dich nicht verstehn'.
Deshalb tu ich Buße;
Das gehört zu den Sünden.
Seht mich an als Propheten!
Viel Denken, mehr Empfinden
Und wenig Reden.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Das glücklichste Wort es wird verhöhnt,
Wenn der Hörer ein Schiefohr ist
Du wirkest nicht, alles bleibt so stumpf,
Sei guter Dinge!
Der Stein im Sumpf
Macht keine Ringe.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Was du gründlich verstehst, das mache!
Was du gründlich erfuhrst, das sprich!
Bist du Meister im eignen Fache,
Schmäht keine Schweigen im fremden dich.
Das Reden von allem magst du gönnen,
Denen, die selbst nichts machen können!

Emanuel Geibel

 

 

 

Ungenügend

Sei es freundlich, sei es böse,
Meist genügend klar und scharf
Klingt des Mundes Wortgetöse
Für den täglichen Bedarf.

Doch die Höchstgefühle heischen
Ihren ganz besondern Klang;
Dann sagt grunzen oder kreischen
Mehr als Rede und Gesang.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Die Beredsamkeit

Fremde, Wasser machet stumm:
Lernet dies an Fischen.
Doch beim Weine kehrt sichs um:
Dieses lernt an unsern Tischen.
Was für Redner sind wir nicht,
Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
Wir ermahnen, streiten, lehren;
Keiner will den andern hören.

Gotthold Ephraim Lessing

 

 

 

Frau Schwalbe

Frau Schwalbe ist 'ne Schwätzerin,
Sie schwatzt den ganzen Tag,
Sie plaudert mit der Nachbarin,
So viel sie plaudern mag.
Das zwitschert, - das zwatschert
Den lieben langen Tag!

Sie schwatzt von ihren Eiern viel,
Von ihren Kindern klein,
Und wenn sie Niemand hören will,
Schwatzt sie für sich allein,
Das zwitschert, - das zwatschert
Und kann nicht stille sein!

Hält sie im Herbst Gesellschaft gar
Auf jedem Dache dort, -
So schwatzen die Frau Schwalben all
Erst recht in einem fort;
Das zwitschert, - das zwatschert
Und man versteht kein Wort!

Georg-Christoph Dieffenbach

 

 

 

Dämmerstunde

Sprich nur, sprich!
ich höre die Rede rinnen,
ich höre dich.

Durch das Ohr nach innen
gleitet die Welle;
Frieden trägt sie und Helle
tönend mit sich.

Ich höre die Worte rinnen –
ich will mich auf keins besinnen:
ich höre dich.

Friedrich Adler

 

 

 

Wer alles ernst nimmt, was Menschen sagen,
Darf sich nicht über Menschen beklagen.
Alles Reden ist meist nur Gered.
Weiß man erst, was dahintersteht,
Läßt man's klappern wie die Mühlen am Bach
Und geht stillfein in sein eigen Gemach.

Christian Morgenstern

 

 

 

Schweigen und Reden

Es hat ein jeder Mensch mehr Fehler zu verstecken,
Als er Geschicklichkeit der Welt hat zu entdecken;
Drum kommt der immer besser an,
Wer schweigen, als wer reden kan.
Denn weil sich jener nur allein von außen zeigt,
So zeiget dieser sich von innen:
Man kann sehr viel bey dem der schweigt
Verlieren; und sehr viel bey dem der spricht, gewinnen.

Christian Wernike

 

 

 

Graue Wölkchen aus der Esse
Steigen aufwärts, steigen nieder –
Werden von dem Wind verblasen,
Sind verweht, sind weggewischt –
nichts mahnt an ihr Dagewesen,
und sie fassen kannst du nicht.
Ja, so sind des Alltags Worte,
leer Geschwätz und leerer Schein –
keine Wärme, nichts, das bliebe,
gleich verweht – weil ohne Sein.

Luise Baer

 

 

 


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!